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Fleischatlas 2021: Darum muss sich dringend etwas ändern

Es ist paradox. Auf der einen Seite sind die gesundheitlichen, sozialen sowie ökologischen Risiken eines zu hohen Fleischkonsums bekannt, aber auf der anderen Seite gibt es kein einziges Land weltweit, das eine Strategie zur Beseitigung des Fleischkonsums besitzt. Eher im Gegenteil – der Fleischkonsum wächst und wächst.

Wenn es so weiter geht, werden bis zum Jahr 2029 weitere 40 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr hinzu kommen und die weltweite Fleischproduktion auf mehr als 360 Millionen Tonnen anwachsen. Derzeit liegt sie bei 320 Millionen Tonnen und hat sich damit in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt. Diese Zahlen stammen aus dem Fleischatlas 2021 der von BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlicht wurde. Nach der Untersuchung haben wir Deutsche im Jahr 2019 60 kg Fleisch pro Kopf gegessen. US-Amerikaner und Australier brachten es sogar auf 100 kg.

Schon jetzt sind die Folgen des Konsums tierischer Produkte verheerend. Die Klima- und Biodiversitätskrise wird weltweit dramatische Auswirkungen haben. Seit der Corona-Pandemie ist der Fleischkonsum sowie seinen negativen Auswirkungen auf unsere Gesundheit verstärkt in den Fokus gerückt und zeigt, dass sich dringend etwas ändern muss.

Futtermittel: Soja für Tiere lässt Regenwald verschwinden

Um die Fleischeslust der Bevölkerung zu stillen, bedarf es enormer Mengen an Futtermitteln. Weltweit landen daher über ein Drittel aller Feldfrüchte in den Futtertrögen. Insbesondere Soja dient dabei als wichtiger Proteinlieferant in der Massentierhaltung. Der Anteil am internationalen Handel hat sich seit 2001 mehr als verfünffacht. Fast 90 % des angebauten Sojas landen in den Mägen von Nutztieren. Die steigende Nachfrage erfordert immer mehr Anbaufläche. Etwa 70 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen werden als Weideland oder für den Anbau von Futtermitteln genutzt. Viehhaltung und Sojaanbau sind zusammen die häufigsten Verursacher für die weltweite Abholzung. Von 2006-2017 wurden beispielsweise im Amazonas-Regenwald und brasilianischen Savanne Cerrado eine Fläche von mehr als 60 % der Fläche Deutschlands hierfür gerodet. Die Waldbrände der letzten Jahre waren nur eine Folge dieser Brandrodungen. Eine Verschärfung der Klimakrise, der Verlust an Biodiversität, Landkonflikte und die Verletzung von Rechten indigener Gemeinschaften sind weitere Auswirkungen. Ein Umdenken ist hier nicht in Sicht. Brasiliens Abholzungsrate stieg 2019 auf ein Rekordniveau und steigt – laut Prognosen – noch weiter an. Der Futtermittel-Anbau erfordert auch immer größere Mengen an Pestiziden. In Brasilien werden z. B. 52 % der verkauften Pestizide im Sojaanbau verwendet.

Verschärfte Klimakrise dank Massentierhaltung

Nutztiere und der Anbau von Futtermittel verschlechtern unser Klima erheblich und tragen zur Erderwärmung bei. Die Produktion und Verarbeitung von Futtermitteln sowie die Emissionen aus den Verdauungstrakten von Wiederkäuern tragen mit dazu bei, dass 56-58 % der gesamten Treibhausgasemissionen des Nahrungsmittelsektors auf die Viehwirtschaft fallen. Dabei stellen sie jedoch nur 37 % des Proteins und 18 % der Kalorien der Weltbevölkerung bereit. Laut Fleischatlas 2021 geben die meisten Fleischproduzenten ihre Emissionen jedoch überhaupt nicht an. Ziele oder Maßnahmen, um diese zu reduzieren, sucht man ebenfalls vergeblich. Die fünf größten Fleisch- und Milchproduzenten verursachen im Jahr mehr Emissionen als ein Ölkonzern (z. B. Shell oder BP).

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Hoher Wasserverbrauch belastet die Umwelt

Um eine Kalorie aus Rindfleisch zu gewinnen, muss etwa 20x mehr Wasser eingesetzt werden als bei Getreide oder Hülsenfrüchten. Dieser enorme Wasserverbrauch hat gravierende Folgen für die regionalen Flüsse, Feuchtgebiete und den Grundwasserspiegel. Immer häufiger werden trockengelegte Moorböden für die Rinderhaltung genutzt, diese Form der Haltung ist besonders CO2-intensiv.

Antibiotika-Einsatz gefährdet Menschenleben

Jedes Jahr sterben 700.000 Menschen an den Folgen einer Antibiotika-Resistenz.

Diese Zahl wird sich in den nächsten Jahrzehnten deutlich erhöhen, denn Antibiotika werden immer häufiger routinemäßig in der Massentierhaltung eingesetzt. Der Weltmarkt für Tierarzneimittel wächst jährlich um etwa 5-6 %. Weltweit werden 73 % aller verkauften Antibiotika bei Tieren eingesetzt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht hier ernsthafte Gefahren für die menschliche Gesundheit. Bei Infektionskrankheiten lassen sich die Bakterien nicht mehr durch Antibiotika behandeln, wenn sie zuvor eine Resistenz in der Tierhaltung ausgebildet haben. Laut Fleischatlas 2021 ist heutzutage bereits jede zweite Hähnchenfleischprobe mit antibiotikaresistenten Krankheitserregern belastet.

Quelle:

Fleischatlas 2021 Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel. Heinrich-Böll-Stiftung

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