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Verweiblichung durch Sojaprotein?

Keine Hülsenfrucht wird kontroverser diskutiert als Soja. Während Sojaprotein von veganen Sportlern wegen seiner hervorragenden Aminosäurenzusammensetzung gelobt wird, haben andere Angst, dass die Bohne ihren Hormonhaushalt auf den Kopf stellt. Der Mythos, dass Soja zu einer Verweiblichung führt, hält sich hartnäckig. Was dahinter steckt, erfährst du in unserem Blogbeitrag.

Eine hohe biologische Wertigkeit, vielseitig einsetzbar und relativ preiswert: Es gibt viele Gründe, die für den Konsum von Soja sprechen. Bei Veganern sowie Vegetariern erfreut sich die Hülsenfrucht daher bereits großer Beliebtheit. Aber auch Fleischesser profitieren von einem vermehrten Soja-Konsum. Neueste Studien weisen zum Beispiel darauf hin, dass das in Sojaprotein enthaltene β-Conglycinin Körperfett und -gewicht reduziert. Mehr dazu liest du hier.

Im letzten Jahr kam eine umfassende Übersichtsarbeit zu dem Ergebnis, dass Soja aufgrund seiner zahlreichen gesundheitsfördernden Eigenschaften eine sinnvolle Ergänzung für jeden Speiseplan ist. In unserem Blobeitrag Esst mehr Soja: So gesund ist die Hülsenfrucht! erfährst du mehr zu der Studie.

Trotz dieser positiven Studienlage haftet Sojaprotein ein negatives Image an. Insbesondere Männer verzichten lieber auf den Verzehr der gesunden Hülsenfrucht. Der Grund sind die enthaltenen Isoflavone. Isoflavone zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen und werden in der Regel von Pflanzen gebildet, um Fressfeinde abzuwehren.

Hormone in Lebensmitteln

Isoflavone sollen den Hormonhaushalt durcheinanderbringen und zu einer Verweiblichung des Körpers führen. Fakt ist: Die in Soja enthaltenen Isoflavone Daidzein sowie Genistein besitzen eine strukturelle Ähnlichkeit zu dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen und können an dessen Rezeptor binden. Daher werden Isoflavone auch als Phytoöstrogene bezeichnet. Neben Soja enthalten übrigens noch andere Pflanzen Phytoöstrogene. Bekannteste Beispiele sind Traubensilberkerze, Hopfen oder Rotklee. Häufig werden diese Pflanzen daher auch in der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden eingesetzt. Wer also vor einer Verweiblichung durch Sojaprotein Angst hat, muss das geliebte Feierabendbier ebenso fürchten. Auch tierische Lebensmittel wie Eier, Milch sowie Fleisch enthalten übrigens relevante Mengen an hormonell wirksamen Substanzen, darunter auch Östrogen. Auch Weichmacher in Kunststoff (z. B. Bisphenol A) sollen den Hormonhaushalt bei Männern stören.

Sojaprotein: die Studienlage

Wieso ist bei all diesen „Gefahren“ für den männlichen Hormonhaushalt lediglich die Angst vor Soja besonders stark in den Köpfen verankert? Eventuell liegt das daran, dass viele Gegner von Sojaprotein sich auf alte Studiendaten aus Tierversuchen beziehen, die diese Ängste bestätigten. Heute gibt es allerdings neuere Daten (von Untersuchungen an Menschen) und man weiß inzwischen, dass die Verstoffwechselung von Isoflavonen in Tieren nicht direkt mit dem Menschen vergleichbar ist. Eine Meta-Analyse aus dem Jahre 2008 wertete die Daten von 32 Untersuchungen aus. Das Ergebnis: Die Zufuhr von Sojaprotein oder Isoflavonen hatte keine Auswirkung auf den Testosterongehalt bei Männern. In die Auswertung miteinbezogen wurde sowohl das freie Hormon als auch das bioaktive und SHBG-gebundene Testosteron.

Auch epidemiologische Studien weisen nicht auf eine „Verweiblichung“ des männlichen Körpers durch den Konsum von Sojaprotein hin und dass, obwohl in asiatischen Ländern deutlich höhere Mengen an Soja konsumiert werden. Japaner nehmen z. B. im Schnitt 23-54 mg Isoflavone pro Tag auf. Zum Vergleich: Europäer kommen im Durchschnitt auf 0,3-4,5 mg Isoflavone pro Tag. Vegetarier und Veganer nehmen 7-12 mg auf.

Dein Nutri-Plus Team

Quellen

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