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Tierversuche: überflüssige Tradition?

Pro Jahr werden in deutschen Tierversuchslaboren Millionen von Tieren gequält. Insbesondere Mäuse, Ratten und Fische, aber auch Kaninchen, Katzen, Hunde oder Affen fielen wissenschaftlichen Experimenten zum Opfer. Obwohl der Nutzen von Tierversuchen mittlerweile stark umstritten ist, sind diese in Politik und Wissenschaft nach wie vor akzeptiert bzw. für die Zulassung bestimmter Substanzen sogar erforderlich. Dabei gäbe es mittlerweile genügend tierversuchsfreie Methoden, die Tierversuche langfristig ersetzen könnten.

Inhaltsverzeichniss

  1. Wozu werden Tierversuche gemacht?
  2. Wie viele Tiere sterben jährlich bei Tierversuchen?
  3. Sind Tierversuche nötig bzw. was spricht gegen Tierversuche?
  4. Was kann man gegen Tierversuche tun?

Wozu werden Tierversuche gemacht?

Grundlagenforschung

Etwa die Hälfte der Tierversuche fällt auf die Grundlagenforschung. Damit ist die Beantwortung unterschiedlichster wissenschaftlicher Fragen gemeint. Oft stehen diese nicht im Verhältnis zu dem Leid, welches sie verursachen und zudem sind die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar.

Regulatorische Tests

Bevor Chemikalien, Pestizide oder Medikamente zugelassen werden, müssen sie toxikologische Sicherheitsprüfungen durchlaufen. Hierzu werden besonders Affen eingesetzt. Etwa 80 % der Affen, die in Tierversuchen leiden müssen, lassen ihr Leben für regulatorische Tests.

Angewandte Forschung

Unter diesem Bereich versteht man die Erforschung von Krankheiten und die Entwicklung von Medikamenten. Tiere dienen hierbei als Krankheitsmodell, z. B. bei der Krebsforschung oder aktuell für die Entwicklung der COVID-19-Impfstoffe.

Kosmetika und deren Inhaltsstoffe

Seit 2013 sind Tierversuche für Kosmetika und deren Inhaltsstoffe in der EU eigentlich verboten. Doch hier gibt es Gesetzeslücken. Die Europäische Chemikalienbehörde ECHA hatte vor Kurzem z. B. sogar ein Unternehmen dazu gezwungen, für die Zulassung zweier Inhaltsstoffe, die nur in Sonnencremes vorkommen, Tierversuche durchzuführen. Auch bei Kosmetika kann man sich daher – trotz entsprechenden Gesetzen – nicht darauf verlassen, dass diese tierversuchsfrei sind.

Weitere Tierversuche

Des Weiteren werden Tiere beispielsweise zu Übungszwecken in der (tier-)medizinischen/biologischen Ausbildung an Universitäten oder bei Experimenten mit gentechnisch verändertem Erbgut getötet.

Wie viele Tiere sterben jährlich bei Tierversuchen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) veröffentlich auf der Website www.bf3r.de Zahlen und Daten rund um die sogenannte Verwendung von Versuchstieren. So wurden laut BfR im Jahr 2020 circa 1,9 Millionen Wirbeltiere und Kopffüßer für Tierversuche eingesetzt. Etwa 78 % davon waren Nagetiere, vor allem Mäuse und Ratten. Was bei diesen Zahlen nicht berüchsichtig wird: Viele Tiere werden zwar für Tierversuche gezüchtet, aber dann doch nicht eingesetzt. Als sogenannter "Überschuss" werden sie getötet und nicht in den offiziellen Zahlen zu den verwendenten Versuchstieren erfasst. Laut deutschem Tierschutzbund wurde so 2017 in der EU etwa 9,6 Millionen Tiere bei Tierversuchen verwendet, jedoch insgesammt knapp 22,2 Millionen „verbraucht“. 

Sind Tierversuche nötig bzw. was spricht gegen Tierversuche?

Der Nutzen von Tierversuchen wird immer wieder von Wissenschaftlern und Tierschützern in Frage gestellt. Zum einen sind sie aus ethischer Sicht verwerflich, zum anderen wissenschaftlich nicht aussagekräftig. Das Hauptargument gegen Tierversuche ist, dass sie nicht auf den Menschen übertragbar sind. 95% aller Arzneimittel, die in Tierversuchen als sicher befunden werden, scheitern beim Test am Menschen. Sei es, dass Medikamente, die sich in Tierversuchen als wirksam zeigten, beim Menschen zu Schäden führen oder keine Wirksamkeit zeigen. Zwischen Mensch und Tier bestehen zu viele Unterschiede hinsichtlich Körperbau, Organfunktion, Stoffwechsel, Ernährung oder Immunreaktionen. Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer treten zudem bei Tieren natürlicherweise überhaupt nicht auf und müssen künstlich herbeigeführt bzw. simuliert werden. Auch bei der Entwicklung neuer Therapien (z. B. Krebs oder Parkinson) verhelfen die Erkenntnisse aus Tierversuchen daher nicht zu einem Durchbruch.

Häufig werden die Versuchsbedingungen in Tierversuchen standardisiert, um zu reproduzierbaren Ergebnissen zu gelangen. Mit der komplexen Realität hat das wenig zu tun. Die Erkenntnis, dass Rauchen, Bewegungsmangel und schlechte Ernährungsgewohnheiten zu Krebs, Diabetes oder Herzinfarkt führen können, gewann man durch epidemiologische Studien – nicht durch Tierversuche. Das Argument, dass Tierversuche helfen, die Entstehung oder den Verlauf einer Krankheit besser zu verstehen, ist also ebenfalls nicht haltbar.

Eine am Menschen orientierte Forschung wäre hier sinnvoller. Statt eines „Umweges“ über eine andere Spezies, würde direkt am Menschen geforscht werden. Dank modernster Technologien wie Zellkulturen, Multi-Organ-Chips oder Computersimulationen gibt es derzeit zahlreiche Möglichkeiten tierversuchsfrei zu forschen und zu sichereren Ergebnissen zu gelangen. Das erspart nicht nur zahlreichen Tieren ein leidvolles Leben, sondern auch Zeit und Geld. Für das Verständnis und die Therapie menschlicher Erkrankungen ist dies vielversprechender als nicht-aussagekräftige Tierversuche.

Mehr zum Thema Alternativmethoden erfahrt ihr hier.

Was kann man gegen Tierversuche tun?

Informiere dich über das Thema und kläre auch dein Umfeld über die Problematik auf. Viele Organisationen gegen Tierversuche stellen online ausführliche Hintergrundinformationen und Aufklärungsmaterialien bereit. Beim Verband Menschen für Tierrechte oder bei Ärzte gegen Tierversuche findest du beispielsweise auch aktuelle Kampagnen, Petitionen oder Bürgerrechtsinitiativen, an denen du dich beteiligen kannst. Bei PETA findest du zudem eine Datenbank mit tierversuchsfreien Reinigungsmitteln und Kosmetika. Firmen, die Tierversuche durchführen, sind dort ebenfalls gelistet.

Mehr über das Thema Tierversuche erfährst du auch im Interview mit Ärzte gegen Tierversuche

Interview mit Ärzte gegen Tierversuche

Quellen:

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