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Schadet zu viel Protein den Nieren?

Proteine sind unentbehrlich für unseren Körper. So übernehmen sie z. B. als Hormone, Enzyme, Abwehrstoffe oder Transportmittel zahlreiche Funktionen in unserem Stoffwechsel. Darüber hinaus fördert eine proteinreiche Ernährungsweise den Muskelaufbau und hilft beim Abnehmen. Doch schadet Protein wirklich den Nieren und wie viel ist eigentlich „zu viel“?

Ständig findet in unserem Körper ein Auf- und Abbau von Proteinen statt. Defekte Eiweiße werden ausgetauscht und nicht mehr benötigte Proteine abgebaut. Die freigesetzten und mit der Verdauung aufgenommenen Aminosäuren werden entweder als Bausteine für andere Proteine (z. B. Muskeln) verwendet oder zu anderen Stoffen (z. B. Glucose) abgebaut. Hierzu muss aber zunächst die stickstoffhaltige Aminogruppe abgespalten werden. Es entsteht toxischer Ammoniak (NH3), den wir in Form des wasserlöslichen, unschädlichen Harnstoffs über die Niere und den Urin ausscheiden. Diese Reaktion läuft im Harnstoffzyklus in der Leber ab. Gesunde Personen besitzen ausreichende Kapazitäten, um den anfallenden Ammoniak umzuwandeln und Harnstoff auszuscheiden. Was passiert jedoch, wenn man über einen längeren Zeitraum deutlich mehr Protein aufnimmt als empfohlen?

Geht eine proteinreiche Ernährung an die Nieren?

Ältere Studien deuten darauf hin, dass eine proteinreiche Ernährung die Nierenfunktion beeinträchtigen kann. Hauptsächlich wurden dabei aber Personen untersucht, bei denen bereits eine Einschränkung der Nierenfunktion vorlag. Aktuellere Studien an Gesunden bestätigen diese negativen Effekte bislang nicht. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor, um den Zusammenhang zwischen der Proteinzufuhr und der Nierenfunktion von Erwachsenen zu beurteilen. Lediglich für Personen mit eingeschränkter Nierenfunktion weiß man: Zu viel Protein ist schädlich und führt zu einer weiteren Verschlechterung des Zustandes.

Um die Nierenfunktion zu beurteilen, nutzt man die glomeruläre Filtrationsrate (GFR). Sie gibt die Menge an Harn an, die in einer bestimmten Zeit von beiden Nieren gebildet wird. Bei einer chronischen Nierenerkrankung oder deren Endstadium, der Niereninsuffizienz, ist die GFR stark beeinträchtigt. Hier sollte die Proteinzufuhr auf 0,4 – 0,8 g / kg Körpergewicht (je nach Stadium der Erkrankung) eingeschränkt werden. In diesem Fall ist es besonders wichtig, Proteine zu bevorzugen, die eine hohe biologische Wertigkeit besitzen. Eine Erkrankung der Nieren verläuft schleichend und zeigt sich in unspezifischen Beschwerden. Daher wird empfohlen jährlich einen Urintest beim Arzt/bei einer Ärztin zu machen. Übrigens gelten als häufigste Ursachen für ein chronisches Nierenversagen Bluthochdruck und Diabetes.

Wie viel Protein ist zu viel für die Nieren?

Der Begriff „proteinreich“ ist im Lebensmittelrecht eindeutig definiert und darf nur verwendet werden, wenn mindestens 20 % der Kalorien eines Lebensmittels aus Proteinen stammen. In Bezug auf unsere Ernährungsweise gibt es leider keine eindeutige Definition. Hier gilt als „proteinreich“, wenn die zugeführte täglich Kalorienmenge zu mehr als 15 % aus Proteinen stammt.

Die aktuell empfohlene Tageszufuhr (Recommended Dietary Allowance = RDA) liegt für Protein bei 0,8 g / kg Körpergewicht, was etwa 10 % unseres täglichen Energiebedarfes entspricht. Im Gegensatz zu vielen Vitaminen gibt es für Proteine keine festgelegte obere Zufuhrgrenze (Tolerable Upper Intake Level = UL). Es ist also nicht genau bekannt, ab welcher täglichen Proteinaufnahme mit eventuellen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist. Derzeit gilt bei Gesunden die doppelte Höhe des Referenzwertes (1,6 g / kg Körpergewicht pro Tag) als sicher. Je nach Quelle wird sogar eine tägliche Zufuhr von 2 -2,5 g / kg Körpergewicht (entspricht etwa 25-30 % der Energiezufuhr) als unbedenklich angesehen. Falls die Proteinzufuhr deutlich über dem Bedarf liegt, sollte man ausreichend trinken, damit der anfallende Harnstoff über den Urin ausgeschieden werden kann.

Eine vegane Ernährungsform beugt zum einen Nierenerkrankungen vor, da Veganer seltener übergewichtig sind und unter Bluthochdruck oder Diabetes leiden. Zum anderen erzielt eine pflanzenbasierte Ernährungsform aber auch bei bereits Erkrankten positive Effekte. Eine Studie zeigt: Ersetzt man bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenerkrankungen tierisches durch Soja-Protein, besserte sich der Zustand.

Fazit:

Studien, die eindeutig belegen, dass eine proteinreiche Ernährung zu Nierenschäden bei gesunden Personen führt, gibt es bislang nicht. Damit die Nieren langfristig leistungsfähig bleiben, sollte man regelmäßig seine Nierenfunktion überprüfen lassen und auf seinen Blutdruck sowie Blutzucker achten.

Dein Nutri-Plus Team

 

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