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Bio-Kunststoff: Mogelpackung fürs gute Gewissen?

Im Bereich der Verpackungen hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Insbesondere biologisch abbaubare Plastikverpackungen – sogenannter Bio-Kunststoff – boomen und gelten als DIE umweltfreundliche Alternative zu erdölbasierten Kunststoffen. Inzwischen häufen sich aber immer mehr Stimmen, die in der vermeintlichen Lösung eher ein Problem sehen. Mehr darüber erfährst du in unserem Blogbeitrag.

Der Anteil an biologisch abbaubarem Verpackungsmaterial nimmt immer mehr zu. Einige Innovationen sind durchaus zu begrüßen, andere Neuheiten eher fragwürdig. Zu letzteren gehört auch biologisch abbaubarer bzw. kompostierbarer Kunststoff. Denn die neuen Verpackungen helfen nicht dabei, den Müll zur verringern. Ganz im Gegenteil. Für viele Kompostieranlagen stellen die Kunststoffe einen zusätzlichen Aufwand dar, die es aufwendig auszusortieren gilt. Laut Umweltbundesamt sind Bio-Kunststoffe daher eher eine Mogelpackung als eine umweltfreundliche Verpackungsalternative.  

Bio-Kunststoff: Herausforderung für Kompostieranlagen

Biologisch abbaubar oder kompostierbar bedeutet, dass sich der Kunststoff durch Mikroorganismen oder Pilze zersetzen lässt. Dieser Abbau erfolgt ausschließlich unter bestimmten Bedingungen. Auf keinen Fall sollte man solche Verpackungen daher im Biomüll oder auf dem heimischen Komposthaufen entsorgen, da hier andere Feuchte- und Temperaturbedingungen vorherrschen. Das Material zerfällt also nicht einfach, sondern muss normgerecht kompostiert werden. Eine Studie der Deutschen Umwelthilfe (DHU) zeigt, dass das nicht so einfach ist. Selbst die industriellen Kompostieranlagen können die Bio-Kunststoffe häufig nicht normgerecht kompostieren.

Bio-Kunststoff gehört nicht in den Biomüll

In einer Umfrage der Deutschen Umwelthilfe gaben 95 % der Befragten an, dass ihre Kompostieranlage keine Produkte aus biologisch abbaubaren Kunststoffen nach der DIN EN 13432 kompostiert. Für 80 % der Anlagenbetreiber stellen Bio-Kunststoffe Störfaktoren dar, die den Kompostierungsprozess und somit die Qualität sowie Vermarktungsfähigkeit des Komposts beeinträchtigen. Daher werden sie aussortiert und separat entsorgt (z. B. verbrannt), was aufwendig sowie teuer ist. Viele deutsche Kommunen verbieten es daher, Biokunststoff im Bioabfall zu entsorgen.

Ein Beispiel hierfür ist der Bio-Kunststoff PLA (Poly Lactic Acid = Polymilchsäure), der aktuell gerne für Plastiktüten, Coffee-To-Go-Becher oder Wegwerfgeschirr verwendet wird. Da es derzeit keine Sortierungs- und Recyclingprozesse dafür gibt, kann er nicht kompostiert werden. Das Problem: Oft greifen Verbraucher mit gutem Gewissen zu der vermeintlich umweltfreundlichen Alternative. Viel besser wäre es natürlich, wenn sie stattdessen einfach Wegwerf-Artikel meiden und auf wiederverwertbare Alternativen setzen würden. Laut Umweltbundesamt schneiden Papier-Einwegtüten übrigens auch nicht besser ab als die herkömmliche Plastiktüte.

Bio-Kunststoff: Negative Auswirkungen auf die Umwelt

Doch selbst, wenn die Kompostieranlage Bio-Kunststoff verarbeiten kann, treten weitere Probleme auf. Die biologische Abbaubarkeit der Verpackungsmaterialien wird nämlich unter Laborbedingungen geprüft. Diese sind stark optimiert und nicht mit realen Kompostieranlangen vergleichbar. Auch ist es nach Norm DIN EN 13432 nicht nötig, dass die Materialien zu 100 % abbaubar sind. Ein Zerfall des Kunststoffs zu 90 % in Teile kleiner als zwei Millimeter innerhalb von 12 Wochen reicht aus, um als kompostierbar zu gelten. Dank dieser Regelung besteht die Gefahr, dass kleinste Plastikteilchen – sogenannter Mikroplastik – vermehrt in die Umwelt gelangt.

Bio-Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen: Die bessere Alternative?

Ist von Bio-Kunststoff die Rede, bedeutet das aber nicht immer gleich auch, dass er auch biologisch abbaubar ist. Ebenso Kunststoffe, die auf nachwachsenden Rohstoffen (z. B. aus Mais oder Zuckerrohr) basieren, werden als „bio“ bezeichnet. Häufig spricht man in diesem Sinne auch von biobasiert. Auf den Materialien steht meist „Bio-Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen“. Kunststoff aus nachwachsenden Rohstoffen ist aber nicht automatisch biologisch abbaubar. Zudem werden teilweise erdölbasierte Kunststoffe hinzugemischt und nicht selten besteht das Material nicht zu 100 % aus nachwachsenden Rohstoffen.

Auch biobasierte Kunststoffe sind nicht umweltfreundlicher, da die Herstellung oft viel Energie verbraucht. Stammen die verwendeten Rohstoffe aus Monokulturen, fällt die Ökobilanz besonders schlecht aus. Da der Anbau meist einen hohen Einsatz an Pestiziden und Dünger erfordert, gefährden sie unter anderem die Biodiversität oder führen zu einer Versauerung der Böden. Biobasierte Kunststoffe sind daher nicht umweltfreundlicher als erdölbasierte Verpackungen, so das Umweltbundesamt. Ressourcenschonender wäre es, Rest- oder Nebenprodukten aus der Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie zu verwenden. Dies könnte die Ökobilanz biobasierter Kunststoffe zukünftig aufwerten.

Fazit

Bei Wörtern „zu 100 % kompostierbar, nachhaltig sowie CO2-neutral“ solltest du stutzig werden. Schenke irreführenden Slogans kein Glauben und setze auf wiederverwendbare Alternativen. Viele Verpackungen aus Bioplastik weisen nämlich keine ökologischen Vorteile im Vergleich zu herkömmlichem Plastik auf, sondern ziehen sogar noch weitere Probleme mit sich. Aus diesem Grund setzen wir bei Nutri-Plus bis auf Weiteres lieber auf einen geschlossenen Recyclingkreislauf als auf die Kompostierbarkeit der Produktverpackungen. Wir verwenden zu 100 % recycelbare Dosen – teilweise werden diese auch aus recyceltem Material hergestellt.

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Quellen:

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